Also: 2315 km rund um Island in 9 Tagen. Das Land ist an Vielfalt der Natur schlicht unglaublich: Geysire, Vulkane, Wasserfälle, Gletscher, malerische Schluchten, warme Seen, in denen man trotz subarktischem Klima das ganze Jahr baden kann, bizarr geformte Felsen, schwarze Sandstrände, unterschiedlich bemooste Lavafelder, Ebenen voller Schafe, Wale und Robben in freier Wildbahn. Und all das auf einer Insel, die halb so groß ist wie Belarus.
Zu Fuß von Europa nach Amerika
Ich hätte nie gedacht, dass man von Europa nach Amerika zu Fuß über Land gehen kann! Genauer gesagt wechselt man von der Eurasischen auf die Nordamerikanische Kontinentalplatte, und die beiden driften um 2–3 Zentimeter pro Jahr auseinander. Auf der Halbinsel Reykjanes überspannt eine Brücke den Spalt, man kann darüber oder sogar darunter hindurchgehen: rechts Europa, links Amerika. Island ist der einzige Ort der Welt, an dem das möglich ist.





Kochendes Wasser unter den Füßen
Das Geothermalgebiet Gunnuhver zeigt die isländische Norm: Kochendes Wasser tritt direkt an die Oberfläche, den Dampf sieht man lange vor dem Parkplatz.




Der Geysir Strokkur schießt alle paar Minuten eine Säule empor, der Ausbruch selbst dauert etwa zwölf Sekunden. Für diese zwölf Sekunden lohnen sich auch Tausende Kilometer!






Die Blaue Lagune gehört in dieselbe Reihe: eines der 25 Weltwunder laut National Geographic. Die Luft hatte 10 Grad, das Wasser je nach Stelle 35–40. Eine unglaubliche Farbe! Der Schwefelgeruch begleitet einen übrigens überall, wo vulkanische Aktivität in der Nähe ist, man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran.




Wasser und Gletscher
Isländisches Leitungswasser zählt zu den besten der Welt: Es stammt entweder von den Gletschern oder aus der Tiefe nach mehrfacher natürlicher Filterung. Kaltes Wasser aus dem Hahn kann man ohne jedes Bedenken trinken und sich das Flaschenwasser sparen, das warme dagegen riecht oft nach Schwefelwasserstoff, weil es geothermisch erhitzt wird.
Den Gletschern habe ich damals einen eigenen Tag und einen eigenen Beitrag auf Belarusisch gewidmet: «Ледзяная Ісландыя, як і мае быць па назве» (eisiges Island, ganz wie der Name verspricht).






















Über den Wasserfall Dettifoss schrieb ich, er verdiene einen eigenen Beitrag. Das Versprechen halte ich zur Hälfte, hier bekommt er ein eigenes Kapitel. Es ist der mächtigste Wasserfall Europas nach Wassermenge.





Wale, Robben und Schafe
Bei der Stadt Húsavík lassen sich Wale in freier Wildbahn beobachten. Mir begegnete eine Schule Grindwale, auch Pilotwale genannt: Sie wiegen rund 800 kg und werden 4 bis 8 Meter lang, über Wasser sieht man aber nur einen kleinen Teil davon.








Die Robben bei Hamarsrétt liegen ein paar Dutzend Meter vom Ufer entfernt auf den Steinen.




Schafe gibt es hier überall, ihre Wolle gilt als eine der feinsten der Welt.



Die Straße
Die Ringstraße Nummer 1 ist von hervorragender Qualität, wenn auch einspurig je Richtung. Zugleich sind 15–20% aller isländischen Straßen Schotterpisten, stellenweise schwer passierbar: Für sie und für die mit F markierten Bergstraßen braucht man einen echten Geländewagen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 90 km/h, das Abblendlicht muss ständig eingeschaltet sein.
Man kann lange Zeit völlig allein unterwegs sein. Bei der Bevölkerungsdichte belegt Island weltweit den vierten Platz von hinten, etwa 3,5 Menschen pro Quadratkilometer, und da über 60% der Isländer in Reykjavík leben, kommt der Rest des Landes auf etwa 1,5. Infrastruktur entlang der Straßen gibt es kaum, um Übernachtung, Tanken und Essen kümmert man sich besser im Voraus. Richtige Hotels existieren nur in den Städten, sonst gibt es einfachste Hostels für eine Nacht, und man kann den ganzen Aufenthalt verbringen, ohne einem einzigen Mitarbeiter zu begegnen.
Dabei ist das Land bemerkenswert digitalisiert. Überall kann man mit Karte zahlen (auch belarusische funktionieren), die Parkplätze an den Sehenswürdigkeiten werden per Kamera überwacht, bezahlen lässt sich binnen 24 Stunden per App. Kriminalität existiert praktisch nicht, einen Polizisten habe ich kein einziges Mal gesehen.
Zahlen statt Souvenirs
Verglichen mit Belarus ist Island nicht nur halb so groß an Fläche, sondern hat auch 23,5-mal weniger Einwohner: ungefähr so viele Menschen wie Grodno, eine Gebietshauptstadt bei mir zu Hause. Das BIP pro Kopf nach Kaufkraftparität übertrifft das belarusische dabei um das 2,26-Fache. Das Haupteinkommen bringen Fischfang (rund 50%), Tourismus und die Aluminiumindustrie, die viel Energie braucht. Energie ist hier kein Problem: weltweit Platz eins bei der Stromerzeugung pro Kopf, alles aus Wasserkraft und Geothermie, nichts Atomares, Solares oder Windgetriebenes, obwohl der Wind einen gelegentlich von den Füßen holt.
Wann fahren
Tourismus und Preise erreichen im August ihren Höhepunkt, dann besuchen Island ungefähr so viele Menschen, wie es Einwohner hat. Im September halbiert sich der Strom, bis Dezember sinkt er auf ein Drittel der Bevölkerung. Ich fuhr im September und habe es nicht bereut: Die Straßen sind leerer, die ganze Schönheit bleibt an Ort und Stelle.
Würde ich die komplette Ringstraße empfehlen statt Tagesausflügen ab Reykjavík? Ohne jeden Zweifel. Neun Tage reichen, um das Land zu sehen, und reichen nicht annähernd, um darüber hinwegzukommen.